Langzeitbelichtungen

Langzeitbelichtungen - Ein sehr umfangreiches Thema. Besonders wenn die Tage kürzer werden, gibt es vor oder nach der Arbeit für viele Hobbyfotografen kein Tageslicht mehr zum Fotografieren. Statt darüber Trübsal zu blasen kann man natürlich auch die Not zur Tugend machen und das restliche Licht bzw. das künstlich erzeugte Licht nutzen. So entstehen surreal wirkende Bilder mit bunten Farben, Formen und Linien. Nachfolgend möchte ich ein paar Tipps zum Thema Langzeitbelichtungen anbringen.

In welche Richtung sollten die Motive bei Langzeitbelichtungen gehen?
Das kann eigentlich fast alles sein. Besonders beliebt sind beleuchtete (angestrahlte) Gebäude, Brücken etc., Volksfeste (Rummel), Straßen, Feuerwerke, Gewitter... Da können Sie Ihrer Fantasie eigentlich freien Lauf lassen. Beliebt ist eigentlich alles, was leuchtet oder sich bewegt oder beides. Hier gilt es einfach zu experimentieren.
 

    
Langzeitbelichtung eines 
beleuchteten Gebäudes

Langzeitbelichtung eines bewegten Objekts

Welche Ausrüstung benötige ich?
- Eine Kamera, mit der Langzeitbelichtungen möglich sind (mind. 8-10 Sekunden), bei der natürlich auch Blende und
  Belichtungszeit manuell einstellbar sind. Vorzugsweise sollte sie ein lichtstarkes Objektiv besitzen. Fernauslöser,
  Fernbedienung oder Selbstauslöser sind natürlich auch angebracht.
- Ein stabiles Dreibein- Stativ, was natürlich eines der wichtigsten Utensilien ist.
- Optional: Ein Sternfilter (Effektfilter)
- Optional: Bildbearbeitungssoftware, Software zum Entrauschen (z.B. NeatImage)
- Etwas Warmes zum anziehen ;-)

Wann sollte ich loslegen?
Der richtige Zeitpunkt für Langzeitbelichtungen im freien ist ganz wichtig für die spätere Bildwirkung. Die beliebteste Zeit ist die "blaue Stunde". Das ist die Zeit zwischen Sonnenuntergang und absoluter Dunkelheit. Zu der Zeit ist alles in blaues Licht gehüllt und der Himmel ist auch blau (oder farbig vom Sonnenuntergang) und noch nicht schwarz. Zu dieser Zeit hat man auch den Vorteil, dass die Belichtungszeiten noch nicht so arg lang sind.
Natürlich gibt es auch Langzeitbelichtungen für die ein anderer Zeitpunkt geeigneter ist. (Aufnahmen von Sternen, die am Himmel spuren ziehen oder die Langzeitbelichtung eines Wasserfalls)

Welche Grundeinstellungen sollte ich treffen?
- ISO Empfindlichkeit auf ISO 100, damit wird zwar die Belichtungszeit länger, die Bildqualität in Bezug auf das Bildrauschen
  aber wesentlich besser.
- Wenn vorhanden: Rauschunterdrückfunktion aktivieren
- Einstellung von Blende und Belichtungszeit in den manuellen Modus
- Wenn die Kamera bei Dunkelheit nicht mehr richtig funktioniert den Autofokus auch in den manuellen Modus
- Manuellen Weißabgleich durchführen
- Blitz abschalten! (Ausnahme: Man will eine Person bei Dunkelheit fotografieren und trotzdem den Hintergrund richtig belichtet
  haben. In diesem Fall den Blitz auf Langzeitsynchronisation)
- Bei SLR Kameras die Spiegelvorauslösung einschalten, um ein Verwackeln durch den Spiegel zu unterbinden

Dann kann es ja losgehen!

Aufnahmen von beleuchteten Bauwerken oder bewegten Objekten (Autos, Rummel etc.)
- Geeigneten Kamerastandort wählen. Das heißt: Genug Platz für das Stativ, nicht zu windig, ein stabiler Standort (Brücken,
  Holzwege usw. sind nicht geeignet. Diese geben Vibrationen weiter oder schwingen selbst, was unscharfe Bilder verursachen
  würde.) ...Man sollte aber trotzdem noch sein Motiv noch so im Bild haben, wie man es gerne möchte ;-)
- Wenn gewünscht Sternfilter aufschrauben (Wenn Lichter in Form von Punkten im Bild sind)
- Die oben genannten Grundeinstellungen auswählen
- Den gewünschten Bildausschnitt anvisieren
- Blende und Belichtungszeit einstellen. Bei der Olympus C-3020Z hat sich Blende 5.6 hier ganz brauchbar erwiesen. Bei noch
  weiter geöffneter Blende sind die Lichter manchmal "matschig" geworden. Die Belichtungszeit ergibt sich dann daraus.
  Wenn man die Blende noch weiter schließt (so ab Blende 8) werden aus den Lichtern auch ohne Sternfilter Sternchen.
  Man erreicht dadurch außerdem eine noch größere Tiefenschärfe.
  Machen Sie auf jeden Fall Belichtungsreihen und später das beste Bild auswählen zu können oder DRI (die dynamische
  Bereichserweiterung) nutzen zu können.
- Versuchen mit Autofokus scharf zu stellen. Wenn das nicht gelingt dann im manuellen Modus. Ist durch den Sucher oder
  das Display nichts zu sehen einfach die Entfernung schätzen und einstellen.
- Auslösen mittels Fernauslöser, Fernbedienung oder Selbstauslöser, um Unschärfe durch Verwackeln zu vermeiden.

Andere Langzeitbelichtungen
- Langzeitbelichtungen von Flüssen oder Wasserfällen kann man den ganzen Tag über machen. Um längere Belichtungszeiten
  zu erhalten, wird ein Graufilter (ND Filter) benutzt, der für die Kamera wie eine Sonnenbrille wirkt. Die Blende wird ganz
  geschlossen (außer bei DSLs, wegen der Beugungsunschärfe), da auch das die Belichtungszeit verlängert. Wenn kein 
  ND Filter vorhanden ist, geht zur Not auch ein Polarisationsfilter, der 2 Blendenstufen "frisst". Dann kann die Aufnahme,
  natürlich mit Stativ beginnen. Hier sind allerdings keine so arg langen Belichtungszeiten notwenig. 1/6 bis 1/2 Sekunden
  dürften absolut ausreichen.
- Um Sterne am Himmel in Forum von Streifen sichtbar zu machen, benötigt man extreme Langzeitbelichtungen, die meistens
  nur von Spiegelreflexkameras unterstützt wird. (Bulb genannt) Diese liegen dann im Bereich von ca. 2-3 Minuten
  Belichtungszeit und mehr.
- Interessante Bilder lassen sich auch von Uhren mit Sekundenzeiger machen, bei längerer Belichtungszeit.

Nachbearbeitung der Langzeitbelichtungen:
- Entrauschen der Bilder, vorzugsweise mit Neatimage. Tutorials dazu gibt es auf der Homepage.
- Entfernen der extrem Störenden Hotpixel (Das sind kleine Punkte im Bild, die in hellen Farben leuchten und über das
  gesamte Bild verteilt sind. Das ist bei Digitalkameras ein normales Phänomen). Entweder per Hand oder mit extra Software
  dafür (z.B. Hotpixel Eliminator von Mediachance)
- Anpassen der Gradationskurve
- Farbbalance einstellen (nachträgliche Korrektur bei falschem Weißabgleich)

Na dann wünsch ich viel Spaß beim Fotografieren! Im Dunkeln ist gut munkeln ... ;-)
 

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